Aus dem Archiv: Die Zukunft der Politik
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2007-02-02 from 10:30 to 12:00 |
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Das Generalthema der Steirischen Akademie 1970 lautet: "Tradition: Hilfe oder Hemmnis?" Am 7. Oktober 1970 hielt Wilhelm Hennis in Graz seinen Vortrag über "Die Zukunft der Politik"; Buchveröffentlichungen zur Zeit des Vortrags: Politik als Praktische Wissenschaft,1968 und Die deutsche Unruhe, 1969
Wilhelm Hennis (*1923) zählt zu den Fachvertretern mit normativ fundierter Wissenschaftsauffassung, nahm aber zeitlebens eine Außenseiterposition ein. Am 18.2.1923 in Hildesheim geboren, siedelte seine Familie 1933 nach Venezuela über, kehrte jedoch 1938 zurück. Hennis legte 1942 in Dresden die Reifeprüfung ab, versah seinen Kriegsdienst als Marineoffizier und studierte nach Kriegsende 1945 an der Universität Göttingen Jura. 1951 promovierte Wilhelm Hennis bei Rudolf Smend über „Das Problem der Souveränität“ zum Dr. jur. 1951 bis 1952 arbeitete Hennis beim „Kronjuristen“ der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Adolf Arndt mit, bevor er 1953 wissenschaftlicher Assistent Carlo Schmids am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Frankfurt am Main wurde. Seine im Herbst 1959 eingereichte Habilitationsschrift ließ die Fachwelt aufhorchen. Unter dem Titel „Politik und praktische Philosophie. Eine Studie zur Rekonstruktion der politischen Wissenschaft“ plädierte Wilhelm Hennis auf wenig mehr als 100 Druckseiten für eine Rückbesinnung auf das aristotelische Politikverständnis der guten Herrschaft.
Die weitere akademische Laufbahn führte ihn von einer ersten Professur an der Pädagogischen Hochschule Hannover von 1960 bis 1962, über eine ordentliche Professur an der Universität Hamburg von 1962 bis 1967 an die Universität Freiburg, an der Hennis 1988 emeritiert wurde. Früh verschafften ihm einige gewichtige, mehrmals abgedruckte Aufsätze Meriten auf dem Gebiet der Vergleichenden Regierungslehre: Z. B. „Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik“ (1964) oder „Aufgaben einer modernen Regierungslehre“ (1965). Als „Meister der kleinen Form“ gelang es Hennis hierin oftmals, aktuelle der Problemlagen der Tagespolitik als Folgeprobleme unreflektierter Reformpolitik zu identifizieren. Zudem untersuchte er zusammen mit Peter Graf Kielmansegg und Ulrich Matz 1977 nicht nur das Phänomen der „Regierbarkeit“, sondern auch die institutionelle Verfasstheit des Staates. Andere Untersuchungsobjekte waren Hochschulen und Parteien. Eine Aufsatzsammlung zum Themenkomplex Parteien erschien 1998 unter dem Titel „Auf dem Weg in den Parteienstaat“, wobei Hennis diese heute wohl überholte Diagnose im Vorwort bereits relativierte.
Zum Ende seiner Zeit als Hochschullehrer und darüber hinaus widmete sich Wilhelm Hennis „Max Webers Fragestellung“ (1987) und „Max Webers Wissenschaft vom Menschen“ (1996). Publizistisch blieb er auch nach seiner Emeritierung mit umfangreichen Beiträgen in überregionalen Tageszeitungen präsent.
Literaturhinweise
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Hennis, Wilhelm: Auf den Weg in den Parteienstaat. Aufsätze aus vier Jahrzehnten, Stuttgart 1998.
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Ders.: Regieren im modernen Staat. Politikwissenschaftliche Abhandlungen I, Tübingen 1999.
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Ders.: Politikwissenschaft und Politisches Denken. Politikwissenschaftliche Abhandlungen II, Tübingen 2000.
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Maier, Hans u.a. (Hrsg.): Politik, Philosophie, Praxis. Festschrift für Wilhelm Hennis zum 65. Geburtstag, Stuttgart 1988.
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Noetzel, Thomas: Wilhelm Hennis – Politikwissenschaft als Tugendlehre, in: Rupp, Hans Karl/Noetzel, Thomas: Macht, Freiheit, Demokratie, Bd.2. Die zweite Generation der westdeutschen Politikwissenschaft, Marburg 1994, S. 65-79.
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Graf Kielmansegg, Peter: Notizen zu einer anderen Politikwissenschaft. Über Wilhelm Hennis` politikwissenschaftliche Abhandlungen, in: MERKUS (2001), Heft 625, S. 436-443.
Autor: Christian Schwießelmann, M.A.
Quelle:www.vergleichende-politikwissenschaft.de