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Gehen ist mehr als Fortbewegung

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When 2007-05-18
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last modified 2007-05-16 12:06

mit Beiträgen von Aurel Schmidt, bis Mai 2002 Redakteur bei der Basler Zeitung und seither freier Schriftsteller und Publizist; einen Ausblick auf Lucius Burckhardts Promenadologie und Beiträgen zu Thomas Bernhard, Gehen,1971 Suhrkam TB; Karl Schlögel, Im Raume Lesen Wir Die Zeit, 2006 Fischer TB; Peter Bieri, Das Handwerk der Freiheit, Fischer TB; Roland Girtler, Irrweg Jakobsweg, Leykam TB.

Aurel Schmidt über sein Buch: Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden

"Ich versuche, das Gehen als körperliche Fortbewegungsart sowie als Ortsveränderung zu thematisieren, aber auch als Vorgang, Ablauf, Prozess und Prozedere, also als Anleitung zum richtigen, schrittweisen, methodischen Vorgehen. Gehen in dieser doppelten Bedeutung ist ein Thema, das sich durch die gesamte Literatur und Kulturgeschichte zieht. Der Überblick, den das Buch vermitteln soll, reicht von der Theorie der Bewegung bei Aristoteles über die Typologie des Flaneurs und die Erfahrungen grosser Geher (Seume, Wordsworth, Dickens, Robert Walser und andere) zum Gehen im Fitness Center und Cyberspace."

Lucius Burckhardt
Warum ist Landschaft schön?
Die Spaziergangswissenschaft
Herausgegeben von Markus Ritter und Martin Schmitz

Lucius Burckhardt begründete in den 1980er Jahren die Promenadologie, die Spaziergangswissenschaft oder engl. auch Strollology. Das neue Fach entwickelte er zu einer komplexen und weitblickenden Planungs- und Gestaltungswissenschaft. Die Promenadologie ist der Ausgangspunkt für eine realistische Haltung zur Wahrnehmung und Wirklichkeit, für ein anderes Verständnis von Landschaft und urbanem Raum, sowie für eine neue Architektur und Planung. Dieses Buch führt anhand einer Auswahl der Texte von Lucius Burckhardt über Landschaft, Natur und Ästhetik in die Grundlagen und die Theorie der Spaziergangswissenschaft ein.

"Wir führen eine neue Wissenschaft ein: die Promenadologie oder Spaziergangswissenschaft", schreibt Lucius Burckhardt. "Sie gründet sich auf die These, dass die Umwelt nicht wahrnehmbar sei, und wenn doch, dann auf Grund von Bildvorstellungen, die sich im Kopf des Beobachters bilden und schon gebildet haben. Der klassische Spaziergang geht vor die Mauern der Stadt, in die Hügel, an den See, auf die Klippen. Der Spaziergänger durchquert eine Reihe von Orten: die Parkplätze, eine Zone vorstädtischer Siedlungen, Fabriken, Müllplätze, Autobahnkreuzungen, aber auch Wiesen, \Välder, Ausstäler, Bauernhöfe. Am Schluss, nach Hause zurückgekehrt, erzählt der Spaziergänger, was er gesehen hat. Er beschreibt, wie es je nach der Stadt - von der er ausging und in die er zurückkehrte - im Schwarzwald aussieht, im Taunus, im Reinhardswald bei Kassel oder in den Vogesen bei Strassburg. Dabei beschreibt er keinen der durchquerten Orte, den Wald, das Ausstal, schon gar nicht die Fabrik oder den Müllplatz, sondern er beschreibt integrierte Landschaftsbilder. Der Basler Jura, der Thüringer Wald sind Konstrukte, die sich aus Lesefrüchten, geographischen Kenntnissen, Bildern und Prospekten gebildet haben und die während des Spazierganges abgerufen wurden. Sie haben es dem Spaziergänger erst ermöglicht, die Landschaft überhaupt wahrzunehmen. Die Spaziergangswissenschaft beschäftigt sich also mit diesen vorfabrizierten Vorstellungen und mit dem, was von der Wirklichkeit wegfällt, wenn das Gesehene an dieses Bild angepasst wird."


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