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Soziale Beziehungen zwischen Mensch und Tier

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last modified 2010-03-05 09:14

Ein Vortrag des ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal im Rahmen der Montagsakademie gehalten am 31.März. 2008. Er ist Direktor der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle für Vergleichende Verhaltensforschung, Grünau und Institut für Zoologie der Universität Wien


Ein Leben mit Tieren bildete über hunderttausende von Jahren den öko-sozialen Rahmen für die Evolution von Psyche, Intelligenz und Geist des Menschen. Tatsächlich sind sämtliche menschliche Eigenschaften nur im Zusammenhang mit dem evolutionären Kontinuum zu verstehen. Dennoch kam es im Zusammenhang mit Domestikation und der Entstehung des Monotheismus über wenige Jahrtausenden zu einer zunehmenden Entfremdung der Menschen von den Tieren und zur Ideologie von der Sonderstellung des Menschen.

Bereits Darwin und vor ihm jeder Mensch, der seine Sinne beisammen hatte, sah aber das Konmtinuum zwischen Mensch und Natur. Aber erst die vergleichende organismische Biologie der letzten Jahre dokumentierte die unglaublichen Parallelen im Sozialverhalten und auch in den zugrundeliegenden geistigen Leistungen quer über die Wirbeltiere. Das ist weniger verwunderlich, als es scheinen mag, denn bei Mensch und Tier ist Verhalten nach denselben (Lorenz´schen) Prinzipien organisiert und die Physiologie der sozialen Stressbewältigung blieb konservativ erhalten. Vor allem aber veränderten sich die für das Sozialleben zuständigen Gehirnmechanismen und -funktionen kaum über die Stammesgeschichte. Diese umfassen beispielsweise die grundlegenden Emotionssysteme, das basale sozio-sexuelle System und das Bindungssystem. Die übergeordneten Steuer-und Kontrollzentren sind zumindest bei den Säugetieren (präfrontaler Kortex) und den Vögeln (nidopallium caudolaterale) parallel entwickelt worden.

Aus all diesen Gründen ist es heute nicht verwunderlich, dass Menschen mit Tieren echte zwischenartliche Sozialbeziehungen entwickeln konnten. Dies gilt vor allem für domestizierte Tiere, wie die Hunde. die aufgrund ihres langen Zusammenlebens mit Menschen auf Zahmheit selektioniert wurden und sich zu Spezialisten in der sozialen Kooperation entwickelten.


Zur Person:
Kurt M. Kotrschal, Mag.rer.nat., Prof. Dr., geboren 1953 in Linz
Studium der Biologie an der Univ. Salzburg, 1981 Promotion, 1987 Habilitation und 1976-1981 an der Univ. Salzburg, Forschungsaufenthalte an den Universitäten Arizona und Colorado, USA.
Arbeiten zur Evolution der Fische und zur Funktion von Sinnes-und Nervensystemen.
Seit 1990 Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau/Oberösterreich und Professor am Department für Verhaltensbiologie, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien.
Forschung an hormonalen, kognitiven und energetischen Aspekten sozialer Organisation und zunehmend auch, Mensch-Tierbeziehung. Interesse am Verhältnis Gesellschaft-Wissenschaft.
Etwa 200 Originalartikel in Fachzeitschriften, Buchbeiträge und Bücher.

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