Österreich im neuen Europa
| What | Radio Show |
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| When |
2006-12-01 from 10:30 to 12:00 |
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Ein Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Max Haller, Institut für Soziologie, gehalten am 7.Nov.2005 im Rahmen der Montagsakademie
Inhaltsangabe zum Vortrag "Österreich im neuen Europa":
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben sich in Europa tiefgreifende Umbrüche vollzogen. Fünf davon sollen in meinem Vortrag diskutiert und ihre Implikationen für Österreich aufgezeigt werden: der Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiederherstellung von Freiheit und Freizügigkeit auf dem ganzen Kontinent; die Durchsetzung der Demokratie in Südeuropa und im kommunistischen Osteuropa; der Aufstieg der Wohlstands- und Konsumgesellschaft im Zusammenhang mit dem „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegszeit; die Beseitigung von extremer Armut und Ungleichheit, und die volle Inklusion aller Mitglieder der Gesellschaft – insbesondere der Frauen; der Zuwachs an Sicherheit in sozialer und politischer Hinsicht.
Im ersten Teil des Vortrags wird gezeigt, dass die Entwicklung in Österreich in all diesen Bereichen – auch aus einer normativen Sicht - markante Fortschritte gemacht hat, dass aber auch weiterhin erhebliche Defizite bestehen. Dafür werden unter anderem statistische Daten zur Entwicklung von Zuwanderung und Umfragedaten zu den Einstellungen der Bevölkerung zu Ausländern gezeigt, Daten zur politischen Partizipation und zu den demokratischen Einstellungen der Österreicherinnen und Österreicher, zur Emanzipation der Frauen und zur Entwicklung der sozialen Ungleichheit. Aber auch die Europäische Union – in bewußt irreführender Weise weithin gleichgesetzt mit dem Begriff „Europa“ – kann nicht überall als Vorbild gelten; die neue Freizügigkeit innerhalb der Union korrepondiert mit einer Verfestigung ihrer Außengrenzen; die friedliche Zusammenarbeit auf der Ebene der Eliten wurde erkauft mit einem Verlust an Möglichkeiten demokratischer Partizipation; der entschiedenen Förderung der Gleichstellung der Geschlechter korrespondiert keine entsprechende Haltung im Kampf gegen Ungleichheit; dem Abbau von alten Feindbildern und äußeren Grenzen steht kein entsprechender Zuwachs an innerer Sicherheit gegenüber.
Der Vortrag schließt mit Überlegungen dazu, wie die Kooperation zwischen den Nationalstaaten und der Europäischen Union transparenter gestaltet und demokratisch stärker verankert und legitimiert werden könnte. Bislang herrscht hier entweder ein wechselseitiges Zuschieben der Verantwortung für unangenehme Entscheidungen, oder überhaupt ein wechselseitiges Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen.