Gedenk-Zeiten
| What | Radio Show |
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| When |
2010-01-25 from 10:30 to 12:00 |
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Im Rahmen der Montagsakademie spricht em. O.Univ. Prof. Dr. DDr. h. c. Michael Mitterauer vom Institut für Sozialgeschichte der Universität Wien
Gedenk-Zeiten
Vom Jobeljahr des Alten
Testaments, das nach den Bestimmungen des Buches Levitikus alle 50
Jahre begangen werden sollte, über das „Heilig Jahr der
mittelalterlichen Päpste" jeweils nach 100, 50, 33 oder 25 Jahren bis
hin zum Jubiläum des neuzeitlichen Europa führt eine direkte
Entwicklungslinie. Aus ihr erklärt sich unsere so ausufernde
Gedenkkultur der Moderne. Vieles hat sich im Verlauf dieser Entwicklung
geändert, geblieben ist das Feiern von Geschichte nach bestimmten
Zeitintervallen. Auf dem Hintergrund einer Geschichte von Gedenkzeiten
stellen sich Fragen: Gibt es wirklich einen „Zwang der runden Zahl“,
der zum Feiern verpflichtet? Wer hat jeweils die Macht, Gedenken zu
verordnen? Wird mit Gedenkjahren und Gedenktagen Geschichtspolitik
betrieben? Zu welchem Umgang mit Vergangenheit führt das Gedenken nach
dem Muster „So wie damals so auch heute“? Welche Formen des
Geschichtsbewusstseins ergeben sich aus unserer traditionellen
Gedenkkultur? Antworten auf solche Fragen legen es nahe, die
überkommene Praxis des historischen Gedenkens zu überprüfen