Dr.Peter Koller: Erwerbsarbeit und Soziale Gerechtigkeit: Diagnose und Perspektiven
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2010-03-05 09:11
Wir bringen diesen Vortrag vom 20. November 2006 in Koop. mit der Montagsakademie. O.Univ.-Prof. Dr. Dr. Peter Koller, Institut für Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsinformatik der Karl-Franzens-Universität Graz
Erwerbsarbeit und soziale Gerechtigkeit: Diagnose und Perspektiven
Die Arbeitswelt befindet sich derzeit in einem rapiden Wandel, der tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Menschen hat: Die Kontinuität der Berufskarrieren schwindet, weil die Menschen im Lauf ihres Arbeitslebens immer häufiger die Stellen wechseln; der Anteil der Teilzeitjobs wächst im Verhältnis zu den regulären Arbeitsverhältnissen weiter an, wobei die tatsächlichen Arbeitszeiten der letzteren wieder steigen; die Arbeitslosigkeit verharrt auf einem hohen Niveau und schließt vor allem minder qualifizierte Menschen auf Dauer vom Arbeitsleben aus; der Konkurrenz- und Arbeitsdruck steigt weiter an, während die Lohnabhängigen gegenüber den Arbeitgebern weiter an Verhandlungsmacht verlieren. Infolgedessen nehmen nicht nur die wirtschaftlichen Ungleichheiten wieder zu, sondern gerät auch das überkommene System der sozialen Sicherung in die Krise.
Diese Entwicklung bringt neue soziale Missstände hervor, die man wohl als Ungerechtigkeiten ansprechen muss. Das setzt allerdings voraus, dass man die marktwirtschaftliche Ordnung nicht einfach für eine moralfreie, nur ihren eigenen Gesetzen unterworfene Zone hält, sondern sie vielmehr als eine gesellschaftliche Einrichtung versteht, die politischer Regelung bedürftig ist und deshalb einsichtigen Erfordernissen der sozialen Gerechtigkeit unterliegt. Zu diesen Erfordernissen gehören – neben denen der bürgerlichen Freiheit und der demokratischen Teilhabe – insbesondere die der sozialen Chancengleichheit und der ökonomischen Ausgewogenheit, die freilich nicht nur schwer zu definieren, sondern auch ziemlich umstritten sind.
Der Vortrag wird sich den vielfältigen Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, in drei Schritten annähern:
- Erstens gilt es die Anforderungen an eine marktwirtschaftliche Ordnung, die sich aus einer vernünftigen Vorstellung sozialer Gerechtigkeit ergeben, etwas konkreter zu fassen;
- Davon ausgehend sollen dann zweitens die gegenwärtigen Veränderungen der Arbeitswelt näher betrachtet und im Lichte jener Anforderungen bewertet werden;
- Drittens sollen schließlich einige Vorschläge zu möglichen institutionellen Reformen der Arbeitswelt moderner Marktwirtschaften zur Diskussion gestellt werden, um zur Entwicklung einer positiven Zukunftsperspektive beizutragen. |
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