Zwischen Gegenwart und Zukunft - Zeit in der Pädagogik
| What | Radio Show |
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| When |
2010-07-05 from 10:30 to 12:00 |
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Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Josef Scheipl. Aufgrund einer kurzfristigen Absage hat Dr. Scheipl, der auch dem Gremium der Montagsakademie angehört den Termin übernommen und einen Vortrag zum Thema Erziehung gehalten. Möglicherweise wird es im Herbst eine zweite Gelegenheit geben, den VO von Prof. Heintel zu hören. "Das Lob der Langsamkeit"Im Rahmen der Montagsakademie spricht O.Univ.-Prof. Dr. Peter Heintel (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF), Institut für Interventionsforschung und Kulturelle Nachhaltigkeit)
Das Lob der Langsamkeit
Angeblich reagiert
unser Gehirn auf äußere Reize mit Verzögerung; jedenfalls langsamer als
das von Schimpansen. Warum tut es das? Auf der freien Wildbahn
„gewinnt“ der Schnellere, egal ob Gepard oder Antilope. Der eine muss
schneller sein, um sie zu erwischen, die anderen schneller, um zu
entkommen. In unserer Wirtschaft galt der Spruch: „Nicht der Größere
gewinnt, sondern der Schnellere“ – eine wieder aufgenommene Erinnerung
an die freie Wildbahn?“ „Als sie das Ziel aus den Augen verloren,
verdoppelten sie ihre Anstrengung“, Aktionismus, Hektik,
Beschleunigungen sind Reaktionsformen auf Angst, ungelöste Probleme,
Konflikte, Ohnmacht; es fehlt uns die Ruhe der Distanz, die uns genauer
hinschauen lässt. Wir müssen etwas tun, was immer es auch ist, um uns
zu versichern, die Situation „im Griff“ zu haben; viele leere Kilometer
werden gelaufen. Den Griechen war Muße (scholè) eine der höchsten
Güter, die Menschen erst zu Menschen machen, und den Römern war Arbeit
Negotium, ein bloß Negatives zur Ruhe. Was ist mit uns in den letzten
Jahrzehnten passiert, dass wir glauben, immer schneller werden zu
müssen, Langsamkeit, Bedächtigkeit geradezu als Behinderung, als
Zurückbleiben erlebt wird?
Das Referat soll versuchen, Gründe dafür
zusammenzufassen und Antworten auf die Frage zu geben: Wo brauchen wir
Langsamkeit, Entschleunigung, Pausen, Nachdenklichkeit, Besinnung? Wo
schaden uns Aktionismus und Kurzfristdenken? Wie z. B. in unserer
gegenwärtigen Krise, in der es den Anschein hat, als dass das, was zu
ihr geführt hat, jetzt als Mittel verwendet wird, sie zu beheben.